Die Changpa sind ein halbnomadisches Volk, das hauptsächlich in der Changthang-Region der Transhimalaya-Zone des indischen Subkontinents lebt. Diese Region bildet einen großen Teil des westlichen Tibetischen Hochplateaus und stellt ein wichtiges Ökosystem für Hochlandweiden dar. Diese Nomaden wanderten ursprünglich im 8. Jahrhundert aus Tibet ein, während eine kleinere Gruppe weiterhin in der westlichen Autonomen Region Tibet lebt oder im Zuge der Einrichtung des Changthang-Naturreservats umgesiedelt wurde.
Die Changpa teilen sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten mit den Tibetern. Sie ziehen über weite Hochlandweiden, die sowohl für domestizierte als auch für wilde Pflanzenfresser als Weidegebiet dienen. Das Gelände ist geprägt von felsigen Hügeln und hohen Gebirgsketten. Changthang ist bekannt für extrem kalte Temperaturen, sehr geringe Niederschläge, starke Sonneneinstrahlung und kräftige Winde. Aufgrund der großen Trockenheit ist die Vegetation nur spärlich.

Die Changpa sind nomadische Hirten, die hauptsächlich Schafe und Ziegen halten. Außerdem besitzen sie verschiedene Nutztiere wie Yaks für Fleisch, Milch und Transport, sowie Pferde zum Reiten, für Lastentransporte und sogar zum Pflügen kleiner Felder. Seit den 1970er-Jahren haben viele Changpa-Familien auch begonnen, Kühe für die Milchproduktion zu halten. Mit Ausnahme der Kühe werden die Tiere den größten Teil des Jahres auf Hochweiden gehalten. Das Vieh stellt die wichtigste Einkommensquelle der Changpa dar.
Die Changpa züchten seit Jahrhunderten ihre weltweit bekannten Pashmina-Ziegen (oder Kaschmirziegen). Diese Tiere liefern die berühmte Pashmina-Wolle. Sie stammt ausschließlich von einer speziellen Ziegenrasse namens ChangRa, was so viel wie „Ziege der Changpa“ bedeutet. Diese Tiere grasen in kalten Hochlagen und produzieren besonders feine Wolle.

Die Changpa sind Buddhisten. Religion und Spiritualität spielen eine wichtige Rolle in ihrem Alltag. Sie feiern ihre eigenen Feste mit großer Freude. Eines ihrer wichtigsten Reinigungsrituale heißt Jyabten, bei dem sie verschiedene Speisen als Opfergabe für Guru Padmasambhava zubereiten. Ihr Fest Tangpe Chona (am 15. Tag des ersten Monats im Mondkalender) ist besonders lebendig und symbolisiert den Sieg des Guten über das Böse.

Im Laufe der Zeit haben die Changpa gelernt, im Einklang mit der Natur zu leben. Sie fürchten weder die kalten Winde noch das raue Gelände oder das extreme Klima. Mit ihren einfachen Zelten, den sogenannten rebo, ziehen sie auf der Suche nach grünen Weideflächen durch die Täler von Rupshu, Kharnak, Tso Moriri und Mudh.
Ein rebo wird aus Yak-Wolle hergestellt und hat eine achteckige Form. Im Dach befindet sich eine Öffnung für den Rauchabzug. Das Zelt wird zusätzlich durch Steinmauern stabilisiert. In jedem rebo befindet sich stets eine Hausgottheit sowie ein Bild ihres spirituellen Führers, meist des Dalai Lama.
Die Changpa ziehen viermal im Jahr mit ihrem gesamten Besitz weiter, um bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Tiere zu finden und ihre Produkte zu tauschen. Handel spielt eine wichtige Rolle, da sie nicht alle notwendigen Güter selbst herstellen können. Sie tauschen Butter, Fleisch und Wolle gegen Grundbedarf wie Kochgeschirr, Getreide oder Kerosin.

Milch ist ein zentraler Bestandteil der Ernährung der Changpa. Daraus stellen sie Käse, Joghurt und Butter her. Diese Produkte sind länger haltbar und können über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Die Milch stammt von Yaks, Ziegen und Kühen. Die Changpa konsumieren viel Fett, was ihnen hilft, sich warm zu halten und das raue Klima zu ertragen.
Neben Milchprodukten essen sie Tsampa (geröstetes Gerstenmehl), ihr Grundnahrungsmittel, das meist mit Buttertee oder Butter verzehrt wird. Außerdem nutzen sie Weizenmehl und gelegentlich Reis.
Im Winter wird es schwierig, Nahrung zu finden. Daher schlachten sie Ziegen und Yaks und trocknen das Fleisch für den späteren Verzehr. Tiere oder Fleisch werden auch gegen andere Lebensmittel eingetauscht.
Da es in Changthang kaum Brennholz gibt, verwenden die Nomaden getrockneten Dung von Yak, Kuh, Esel und Pferd als Brennstoff. Zum Kochen nutzen sie kleine Petroleumkocher oder einen bukhari (Metallofen).

Traditionell stellen die Changpa ihre Kleidung aus Schafwolle her. Sie scheren die Wolle, spinnen daraus Garn und weben daraus einen Stoff namens nambu. Ihre zeremonielle Kleidung besteht aus bestickten Seidenstoffen oder Samt. Außerdem tragen sie Schaf- und Ziegenfelle, sogenannte lokpa, als Umhang gegen die Kälte. Die von ihnen produzierte Pashmina tragen sie jedoch selten selbst, da sie aufwendig zu verarbeiten ist. Meist wird sie als Rohmaterial verkauft.

Fotos: Cat Vinton und Andrew Newey